Dieses Interview wurde mit freundlicher Genehmigung aus der Publikation "Gründen ist meins" übernommen.

N’Eis – das Neustadteis

Input nutzen die eigene Idee zu reflektieren und zu stärken

Julia von Dreusche und Anke Carduck, Alumnae der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Medienmanagement, sowie Gründerinnen von N’Eis – das Neustadteis

Wie ist Ihre Idee für N‘Eis entstanden und worum geht es bei Ihrem Unternehmen?

Die Idee mit dem kleinen Eisladen war nicht von langer Hand geplant, sondern eher spontan. Wir hatten beide Vollzeitstellen in Agenturen und waren damit eigentlich auch nicht unzufrieden. Trotzdem haben wir manchmal darüber gesprochen, wie es wäre, einen eigenen Laden zu haben. So richtig kam dann alles ins Rollen, als der kleine Eckladen am Gartenfeldplatz frei wurde. Wir kannten den Laden schon, als dort noch eine Bäckerei drin war, und er ist uns während unserer gemeinsamen WG-Zeit sehr ans Herz gewachsen. Wir dachten: jetzt oder nie - und haben uns überlegt, was man dort machen könnte. Und so ist „N’Eis - das Neustadteis“ entstanden, eine kleine Eismanufaktur, in der wir täglich unser Eis ohne Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe selbst herstellen.

Was hat Sie dazu motiviert, sich selbstständig zu machen? Und welche waren die wichtigsten Meilensteine?

Der Laden und die Lage waren für uns die wichtigste Motivation. Wir haben zwar im Vorfeld schon darüber gesprochen, uns selbstständig zu machen, aber konkrete Pläne gab es nicht. Als der Laden frei wurde, standen wir quasi noch bei null. Wir mussten uns dann um den Businessplan, die Finanzierung und die gesamte weitere Planung kümmern. Wichtig für uns persönlich war es, einen Plan B zu haben. Also haben wir uns entschieden, unseren Job nicht komplett an den Nagel zu hängen, sondern wir nutzten die Möglichkeit des Jobsharings. So haben wir uns etwa drei Monate nach der Eröffnung noch einen Job in der Agentur und die Arbeit im Eisladen geteilt. Da der Laden aber so gut anlief, haben wir gekündigt und sind seitdem beide Vollzeit im N‘Eis.

„Wichtig für uns persönlich war es, einen Plan B zu haben.“

Wo lagen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Vor der Gründung war die größte Herausforderung, sich in dem „Informationsdschungel“ zurechtzufinden. Welche Genehmigungen brauchen wir? Wer stellt diese Genehmigungen aus? Was müssen wir beachten? Nach der Gründung hat uns die Personalplanung vor die größte Herausforderung gestellt. Wie viele Aushilfen benötigen wir? Wer kann wann arbeiten?

„Wenn man mit Herzblut hinter seiner Idee steht, dann merkt das auch der potenzielle Kunde.“

Welche Zielgruppe haben Sie, und wie machen Sie Akquise?

Das Schöne an unserem Laden ist, dass wir keine eingegrenzte Zielgruppe haben. Wir sind zwar als „Hipster- Laden“ verschrien, aber es kommen Leute aller Altersstufen zu uns. Dann sitzen Kinder zwischen Studierenden und alteingesessenen Mainzern auf dem Gartenfeldplatz und genießen die Sonne. Kundenakquise machen wir eigentlich nicht. Es läuft vieles über Mundpropaganda und am Anfang hatten wir das Glück, dass viele Zeitungen über uns berichtet haben und somit die Neugier der Mainzer geweckt wurde. Der Laden lief dann eigentlich ab dem ersten Tag besser als wir das in unseren kühnsten Träumen erwartet hätten. Da unser Angebot täglich wechselt, informieren wir unsere Kunden auf Facebook über die aktuellen Sorten.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Wir planen für den Sommer, unser Eis in 125 ml-Becher abzufüllen und es an verschiedene kleine Gastronomiebetriebe zu verkaufen. Aber auch sonst wird uns nicht langweilig. So wird es im Jahr 2015 bestimmt wieder einige neue Sorten geben.

Was können Sie Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?

Mut und Durchhaltevermögen sind zwei Eigenschaften, die man gerade in der Anfangszeit auf jeden Fall haben sollte. Zu Beginn wird man oft mit Gegenwind zu kämpfen haben. So treten während der Gründung garantiert Komplikationen auf, die man selbst im besten Businessplan nicht einkalkulieren kann. Das können Genehmigungen von Behörden, durch Handwerker verursachte Verschiebungen des Zeitplans oder Lieferverzögerungen bei wichtigen Maschinen sein. Auch meint jeder, gute Ratschläge zum Konzept, zum Standort oder der Herangehensweise geben zu müssen. Hier sollte man sich nicht verzetteln, sondern den Input dazu nutzen, um die eigene Idee zu reflektieren und zu stärken. Denn wenn man mit Herzblut hinter seiner Idee steht, dann merkt das auch der potenzielle Kunde.

Ebenso ist von Vorteil, wenn man sich bei seiner Idee zumindest in Teilgebieten auskennt. Bei uns war es so, dass wir komplette Neulinge in der Gastronomie waren und uns alle Kenntnisse neu aneignen mussten. So haben wir unser „Eisdiplom“ in der Eisfachschule in Werl gemacht und unser Eislehrer Herr Koch hat uns dann noch bei der Planung der Eisküche beraten. Dafür kannten wir uns aber im Bereich Marketing und Werbung aus, konnten das Erscheinungsbild eigenständig entwickeln und sind bei der Gestaltung von unseren Zusatzprodukten, wie beispielsweise Kaffeebecher oder Brettchen, nicht auf die Hilfe Dritter angewiesen.

Interview wurde geführt von Rebecca Rech

N‘Eis – das Neustadteis
Gartenfeldplatz 12
55118 Mainz

Telefon: 06131 / 48 70 677
www.n-eis.de
[email protected]

Gründer
Julia von Dreusche und Anke Carduck
beide Diplom-Medienwirtin

Gründungsjahr
2013, Eröffnung des Eisladens März 2013

Branche
Food

Unternehmenstyp
GbR

Geschäftsmodell
B2C

Engagement
Wir sind in keiner Gründerinitiative. Aber durch die vielen Neugründungen in Mainz besteht ein sehr gutes Netzwerk und man hilft sich gegenseitig mit wichtigen Infos und Tipps. Zusätzlich nehmen wir uns oft Zeit, um uns mit Gründungsinteressierten aus anderen Städten zu treffen und um Erfahrungen weiterzugeben. Wir waren 2013 u.a. in der Jury des „Leinen los“-Gründerwettbewerbs

Auszeichnungen
Mainzer Wirtschaftspreis 2013,
3. Platz Pioniergeist Rheinland-Pfalz 2013