GründerszeneStoriesKontrastfilm
Dieses Interview wurde mit freundlicher Genehmigung aus der Publikation "Gründen ist meins" übernommen.

Kontrastfilm

Aus eigener Kraft wachsen und Hürden überwinden

Tidi von Tiedemann, Alumnus der Hochschule Mainz, Diplom Mediengestaltung, und Mitgründer von Kontrastfilm

Herr Tiedemann, Sie sind Mitgründer, Geschäftsführer sowie Produzent bei Kontrastfilm. Wie ist die Idee hierzu entstanden?

Den Anstoß für die Gründung von Kontrastfilm, zusammen mit meinem Studienkollegen Thomas Vollmar, gab die verlockende Förderung durch die gemeinsame Kampagne „StartUp Medien“ der Stadt Mainz, des Landes Rheinland- Pfalz, der Hochschule Mainz und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Wir erhielten für den Zeitraum von einem Jahr ein eigenes Büro für eine geringe Mietzahlung sowie Unterstützung in Form von Beratungen für eine potenzielle Unternehmensgründung. Als Gegenleistung war von uns die Erstellung eines Businessplans gefordert. Am Anfang fanden wir die Idee gut, einen günstigen Raum für unsere Diplomarbeit zu erhalten, und wollten uns eher nebenbei Gründungsgedanken machen. Im Laufe des Jahres wurde diese Thematik jedoch immer konkreter und durch den Besuch der Veranstaltung „Business Planning“ bei Professor Eickhoff an der Hochschule Mainz bekräftigt. Als Gast konnte ich zusammen mit zwei Studenten der Betriebswirtschaftslehre den benötigten Businessplan erstellen. Im Nachhinein stellte ich fest, dass dies ein perfektes Angebot für uns war. Daher setze ich mich auch heute noch für eine stärkere Verzahnung der verschiedenen Fachbereiche der Hochschule ein, um Synergien zu entwickeln.

Wie hat sich Kontrastfilm seit der Gründung verändert?

Angefangen haben wir mit unserem kleinen Büro und zwei Schreibtischen im Medienhaus in der Wallstraße in Mainz. Mittlerweile sind sechs feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt und wir sind ins Hinterhaus umgezogen, wo wir eine deutlich bessere räumliche Situation vorfinden. Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir relativ schnell gewachsen sind, aber nicht so schnell wie es uns viele anhand unseres Businessplans vorhergesagt hatten. Wir haben immer versucht, aus eigener Kraft zu wachsen und mit geringen Bankdarlehen auszukommen. Ich finde es auch immer noch besser, langsam und stetig zu wachsen. Für uns war es die richtige Entscheidung, auch wenn es manchmal wehtut, Kollegen zu treffen, die etwas mehr Geld zur Verfügung haben und sich schneller bessere und größere Geräte leisten können. Aber langfristig sind wir somit stabil, und das ist, glaube ich, auch eine der wichtigsten Entscheidungen innerhalb unserer Firma gewesen. Lieber mit Kontinuität aus eigener Kraft wachsen, anstatt sich zu stark von Banken abhängig zu machen. Kontrastfilm ist für seine Produktionen auch mit vielen Preisen ausgezeichnet worden.

„Ich finde es immer noch besser, langsam und stetig zu wachsen.“

Was waren die bisher wichtigsten Meilensteine und welche Entwicklungen sollen noch folgen?

Der erste große Meilenstein war sicherlich, als wir uns entschieden haben, die erste feste Angestellte ins Team aufzunehmen. Sehr wichtig ist der Buchhaltungsbereich, bei dem wir, bis auf die Unterstützung durch ein Steuerbüro, alles selbst gemacht haben. Dieser Bereich hat sich aber über die Jahre von einer freien Mitarbeit zu einer festen Stelle entwickelt. Nach genau diesem Schema ist unser Team kontinuierlich gewachsen. Natürlich war die Gewinnung von Großkunden, wie dem ZDF oder ARTE, ebenfalls sehr wichtig. Dort erhielten wir ein festes Kontingent von Produktionen für ein Magazin mit 13 Sendungen pro Jahr. Dies hat viel verändert, da hierdurch ein festes Einkommen gesichert war. Dadurch konnte zumindest ein Teil des Unternehmens finanziert werden, was zu einer Verbesserung der Planbarkeit führte. Mit vielen Kunden bestehen dabei langfristige und intensive Kooperationen. Inzwischen können wir auf viele namhafte Referenzen blicken, wie beispielsweise Porsche, Bosch, DaimlerChrysler, Ferrero oder den Musiksender MTV. An dritter Stelle ist die Entwicklung der Geschäftsführung zu nennen. Begonnen haben Thomas Vollmar und ich. Wolfgang Ambos ist seit drei Jahren mit dabei. Dadurch verteilen sich Entscheidungen auf mehrere Schultern. Gleichzeitig erhöht sich allerdings die Diskussionslast. Diese Entwicklungen wirkten sich durch unsere unterschiedlichen Qualifikationen positiv für uns aus. Mittlerweile entwickelt Kontrastfilm auch eigene Formate, die wir anbieten möchten. Darunter fallen Serien, Dokumentarfilme sowie fiktionale Formate. Das wollen wir noch ausbauen und als weiteres Standbein etablieren.

„Wenn man Tiefpunkte überwinden kann, hat man viel gelernt und ist einen entscheidenden Schritt weiter.“

Wo lagen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Für uns lag die größte Herausforderung in der sauberen buchhalterischen Abwicklung. Gerade wir als Designer wollen tolle künstlerische Produkte erarbeiten und uns weniger mit Finanzämtern, Steuerberatern oder Banken auseinandersetzen. Leider ist das bei einer Unternehmensgründung zwingend notwendig. Dies zu erlernen, war eine große Hürde und ist nach über zehn Jahren seit der Firmengründung noch immer nicht abgeschlossen. Auch das Durchhaltevermögen ist ein wichtiger Punkt. Finanzielle, aber auch persönliche Tiefpunkte muss man überwinden lernen. Es kommt zu Situationen, in denen man sich fragt, warum man das eigentlich alles macht. Wenn man diese Tiefpunkte überwinden kann, hat man viel gelernt und ist einen entscheidenden Schritt weiter.

Welche Projektschwerpunkte hat das Unternehmen, und wie machen Sie Akquise?

Wir bedienen ein breites Spektrum im Designbereich. Unser Schwerpunkt ist das Bewegbild im weiteren Sinne. Was wir jedoch nicht machen, ist die Aufbereitung von tagesaktuellen Ereignissen für Nachrichtensendungen. Wir haben uns auf hochwertige Produkte für Werbung, Dokumentationen, Industriefilme oder auch TV-Formate spezialisiert. In diesen Bereichen bieten wir in unserem Portfolio ein breites Spektrum von Dienstleistungen von der Konzeption bis zur Erstellung des fertigen Films an. Ebenso zählen hierzu cross-mediale Projekte, was schon über eine Filmproduktion in den Bereich der Agenturarbeit hinausgeht. Akquise betreiben wir durch unsere Internetpräsenz und durch Netzwerkpflege – wie beispielsweise mit eigenen großen Veranstaltungen, die wir mehrmals im Jahr anbieten. Und natürlich besuchen wir große Events wie die Berlinale. Herr Tiedemann, Sie sind Mentor im hochschulübergreifenden Gründungsbüro Mainz.

Was können Sie Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?

Neben dem bereits erwähnten Durchhaltevermögen, ist die Kommunikation mit anderen extrem wichtig. Oftmals zweifelt man an sich selbst oder hat einen Tiefpunkt. Durch Netzwerken erfährt man, welche Probleme und Lösungen andere hatten. Man merkt schnell, dass man nicht alleine ist und kann von deren Erfahrungen profitieren. Der zweite Aspekt ist der Anspruch an die eigene Leistung und Qualität. Hält man sich diesen stets hoch, aber realistisch, kann man auch die Kunden zufriedenstellen. Außerdem sollte man immer mit offenen Karten spielen, um sich Vertrauen bei seinen Kunden aufzubauen. Ich selbst gebe auch gerne Wissen weiter, wie kürzlich an einen jungen Kollegen, der nicht ausreichend über die Künstlersozialkasse informiert war und dadurch in schwere Turbulenzen hätte kommen können. Ebenso engagiere ich mich gerne mit Vorträgen und Vorlesungen in der Gründerszene sowie für politische Themen.

Interview wurde geführt von Michael Lorsbächer

Kontrastfilm GbR
Ambos, Vollmar, Tiedemann

Office in Mainz:
Wallstraße 11
55122 Mainz
Telefon: 06131 / 90 60 781

Office in Berlin:
Yorckstraße 89a
10965 Berlin

www.kontrastfilm.de
[email protected]

Gründer
Tidi von Tiedemann, Thomas Vollmar
beide Diplom Medien-Designer
Seit 2013: Wolfgang Ambos, Mitinhaber

Team
Insgesamt sechs fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Gründungsjahr
2003

Branche
Media, Services

Unternehmenstyp
GbR

Geschäftsmodell
B2B

Auszeichnungen
Innovationspreis Rheinland- Pfalz (mehrfache Auszeichnungen im Bereich Industriefilm),
F. W. Murnau Preis 2012,
Zwei Filmz Festival Publikumspreise,
MKN Award 2010,
Murnaupreis 2009,
Publikumspreis “OLGA”,
Grand Prix Victoria – 23. Internationale Wirtschaftsfilmtage,
62. Festival du film Locarno Specialpreis der Jury,
Verschiedene Prädikate: „besonders wertvoll“ und „wertvoll“ der FBW uva.

Förderung
Förderung durch die gemeinsame Ausschreibung „StartUp Medien“ der Stadt Mainz, des Landes Rheinland- Pfalz, der Hochschule Mainz und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (im Jahr 2002)