GründerszeneStoriesEulchen Bier
Dieses Interview wurde mit freundlicher Genehmigung aus der Publikation "Gründen ist meins" übernommen.

Eulchen Bier

Rebellion gegen das Einheitsbier! Von der Bachelor-Thesis zum eigenen Startup

Philip Vogel (PV) und Leonidas Lazaridis (LL), beide Alumni der Hochschule Mainz im Studiengang Kommunikationsdesign (B.A.), mit der Geschäftsidee Eulchen Bier, einem eigenen Bier für Mainz

Herr Vogel und Herr Lazaridis, wie kam es dazu, dass Sie sich selbstständig gemacht haben? Wie ist Ihre Idee entstanden und worum geht es Ihnen bei Eulchen Bier?

LL: Bier ist seit über 6000 Jahren ein beliebtes Getränk. Wir waren bei unserer Recherche zu unserer Bachelor-Thesis sehr verwundert, dass eine Stadt wie Mainz mit großer Biergeschichte heute hauptsächlich Einheitsbier in Supermärkten und Bars vorzuweisen hat. Unser Ziel war es, bei möglichst vielen Menschen in Mainz Interesse für das Thema zu wecken und dabei zu zeigen, dass Bier ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel sein kann. Das ging natürlich nicht ohne ein gutes Bier. Somit war die Idee vom eigenen Bier geboren.

PV: Dabei war uns nicht nur die äußere Gestaltung, sondern auch der Geschmack extrem wichtig. Wir sind beide keine klassischen Biertrinker. Das Einheitspils hat uns nie so richtig geschmeckt. In die Materie haben wir uns mühevoll eingearbeitet, viele Messen und Fachvorträge besucht, mit Braumeistern gebraut und natürlich unzählige Biere probiert, um die Sensorik zu schulen; was nicht immer so lecker war, wie es vielleicht klingt.

Wieso heißt Ihr Bier Eulchen Bier?

PV: Bei unserer Recherche zur Mainzer Biergeschichte sind wir auf die Brauerei „Zum schwarzen Bären“ und das „Bierhaus zum Einhorn“ gestoßen. Tiere waren früher beliebte Namensgeber für Brauereien und aus dieser Tradition heraus haben wir die nachtaktive, stolze Eule für unser hochwertiges Bier gewählt. Aufgrund unserer 0,33 Liter Flasche und des wohlklingenden Wortes ist es das Diminutiv „Eulchen“ geworden.

„Es braucht Zeit und Durchhalte­vermögen, bis man von einem Meilenstein zum nächsten kommt.“

Und dann gab es im Rahmen Ihrer Bachelor- Thesis tatsächlich das erste Mal Eulchen Bier?

PV: Insgesamt produzierten wir für unsere Bachelor-Thesis gut 2000 Flaschen, welche wir in mühevoller Handarbeit abfüllten und etikettierten. Diese gab es dann in unserer einwöchigen Pop-up- Kneipe in Mainz zu trinken.

LL: Die Resonanz war enorm. Damit hatten wir nicht gerechnet. Vor allem das große Interesse an der Geschichte hinter unserem Eulchen hat unsere Aktion zu einem vollen Erfolg gemacht. Die 2000 Flaschen waren innerhalb einer Woche ausgetrunken und es hätten noch deutlich mehr sein können.

„Lieber etwas früher und kleiner an den Markt gehen und wertvolles Feedback der Kunden mitnehmen, als den richtigen Zeitpunkt für den Start zu verpassen.“

Was hat Sie dazu motiviert, nach der Bachelor- Thesis weiterzumachen und eine Selbstständigkeit anzustreben?

LL: Erst dieser Zuspruch der Mainzer, der auch Wochen nach unserer Aktion nicht abebben wollte, hat uns angetrieben weiterzumachen. Auch Wochen später wollten Leute bei uns Bier bestellen.

PV: Wir haben von Anfang an eine Selbstständigkeit angestrebt. Allerdings hatten wir geplant, mit einem Büro für Gestaltung zu starten, und nicht mit einer eigenen Biermarke.

Und wie ging es danach weiter?

PV: Wir spielten mit dem Gedanken, aus den Erfahrungen der Bachelorarbeit Eulchen Bier neu aufzurollen. Mit dem Ziel, unser Bier dauerhaft in Mainz anbieten zu können. Wir haben uns dann an die Hochschule Mainz gewandt und Unterstützung durch das iuh - Institut für unternehmerisches Handeln und das hochschulübergreifende Gründungsbüro erhalten. Besonders der eigene Arbeitsplatz im hochschuleigenen Gründungsinkubator, aber auch der Besuch von Lehrveranstaltungen und Workshops halfen uns dabei die nächsten Schritte zu planen.

LL: Wir mussten alles neu überdenken. Die ersten 2000 Flaschen haben wir in mühevoller Handarbeit mit hohem Zeitaufwand produziert. Hätten wir unsere Arbeitszeit und den hohen Materialaufwand auf eine Flasche umgerechnet, wäre das Bier nahezu unbezahlbar gewesen. Also vereinfachten und automatisierten wir einige Prozesse, suchten uns eine neue Brauerei, in der wir brauen konnten, und überlegten uns eine Vertriebsstruktur.

Wo kann man Eulchen Bier kaufen?

LL: Unser Bier gibt es mittlerweile in mehr und mehr Bars und Geschäften in und um Mainz. Zudem haben wir in unserem Pop-Up-Store gemerkt, wie wichtig es ist, einen Anlaufpunkt zu schaffen, um auch persönlich direkten Kontakt mit Kunden zu haben und direktes Feedback zu bekommen. Also haben wir uns wieder auf die Suche nach einem Leerstand gemacht und eine kleine Trinkhalle als Zwischennutzung für uns gewinnen können. Auch in Zukunft werden wir an diesem Konzept festhalten.

Wenn Sie jetzt nach dieser aufregenden Zeit ein erstes Resümee ziehen: Wo lagen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

PV: Herausforderungen gab es natürlich einige, große wie kleine. Generell muss man aber sagen, dass Gründen in Deutschland kein Hexenwerk ist. Aber es braucht Zeit und Durchhaltevermögen, bis man von einem Meilenstein zum nächsten kommt. Von heute auf morgen lässt sich ein Unternehmen nicht gründen. Viele Herausforderungen liegen zudem in Bereichen, mit denen man zuvor nichts am Hut hatte. Aber gerade das macht auch einen Großteil des Reizes aus.

Apropos Durchhaltevermögen, wie viel Zeit investieren Sie in Ihr Unternehmen?

LL: Sieben Tage die Woche. Es gibt kein Abschalten. Ständig kreisen die Gedanken um neue Ideen. Wir sind ständig unterwegs, schließlich machen wir ja fast alles selbst, das Brauen und Abfüllen zusammen mit unseren Partnern, die Logistik, den Vertrieb und die Finanzen. Diese Abwechslung ist es aber, die uns großen Spaß bereitet, wodurch es nie langweilig wird. Auch der Kontakt und das direkte Feedback der Menschen pusht uns immer wieder.

PV: Das Positive am Selbstständigsein ist wirklich, dass man den Tag so gestalten kann, wie man möchte. Da gibt es keine langen Wege, man muss niemanden überzeugen, sondern man arbeitet nach seinen eigenen Vorstellungen.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

PV: Wir wollen natürlich wachsen. Es sollen weitere Biersorten folgen, wir wollen mehr Events starten, präsenter werden und auch in mehr Bars, Kneipen und Getränkemärkte reinkommen. Größere Pläne existieren auch schon in unseren Köpfen, aber nach den ersten Monaten wollen wir zunächst ein Resümee ziehen. Wir wollen herausfinden, was wir richtig gemacht haben, was falsch und vor allem was wir verbessern können.

LL: Dabei ist uns die Zusammenarbeit mit unseren Partnern sehr wichtig. Man merkt schnell, ob man auf einer Wellenlänge ist. Wir legen sehr viel Wert darauf, nicht einfach nur Geschäftsbeziehungen zu pflegen, sondern Partner zu finden, die hinter uns stehen und sich für unsere Geschichte interessieren. Manchmal entwickeln sich daraus sogar Freundschaften.

Was können Sie Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?

LL: Seine Idee auf Herz und Nieren prüfen und dabei überlegen, ob man zu einhundert Prozent dahinter steht. Wie soll man sonst jemanden von einer Idee überzeugen, wenn man selbst noch Zweifel daran hat?

PV: Zudem ist es wichtig, rechtzeitig zu starten. Viele planen und warten zu lange. Zu früh gibt es nicht. Lieber etwas früher und kleiner an den Markt gehen und wertvolles Feedback der Kunden mitnehmen, als den richtigen Zeitpunkt für den Start zu verpassen.

Interview wurde geführt von Maren Osterlitz

Eulchen Bier
Hindenburgstr. 7
55118 Mainz

www.eulchen-bier.de
[email protected]

Gründer
Philip Vogel und Leonidas Lazaridis
beide Bachelor of Arts
Kommunikationsdesign an der Hochschule Mainz

Gründungsjahr
2014

Branche
Food

Unternehmenstyp
GmbH

Geschäftsmodell
B2C, B2B

Engagement
Die Gründer besuchen Gründertreffen in Mainz und halten Vorträge, auch im Rahmen von Vorlesungen an der Hochschule Mainz.

Förderung
Durch den Gründungsinkubator der Hochschule Mainz